DLØART/am - 2. Flug am 16.07.1995

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Der DARC OV Nienberge (N 46) hat am Sonntag, 16.07.1995, einen weiteren ARTOB-Start durchgeführt. Hier unsere Ankündigung:

> Am morgigen Sonntag, 16.07.95, planen wir einen "kleinen" ARTOB-Start. Wir planten, eine 
> Notbake zu unserem ARTOB hinzuzufügen, und diese ist jetzt fertiggestellt. Da wir noch einige 
> kleinere Ballonhüllen übrig haben, wollen wir eine Minimalkonfiguration starten lassen: Nur eine 
> Bake auf 2 m, keine Telemetrie, keine Fernsteuerung (Gasablassen) usw. Einfach nur steigen 
> lassen, bis der Ballon platzt, danach Landung mittels Fallschirm.
Natürlich kam es völlig anders, als wir es erwarteten/planten...


2. ARTOB-Flug DLØART/am am 16.07.1995

Datum:           Sonntag, 16.07.1995
Startzeit:       14:01 h MEZ
Startort:        Münster-Nienberge JO32SA

Daten Ballon:
Rufzeichen:       DLØART/am
QRGs/Modulation:  144,991 MHz F1A Bake: Rufz. und Infotext in CW,
                  dazwischen Frequenzumschaltung langsam (- - - - - -
                  = Steigflug) bzw. schnell (........... = Sinkflug)
                  (Impuls durch Quecksilberschalter/Lage der Payload)
Leistung:         100 mW 
Antennen:         Groundplane
Stromversorgung:  3x 9-V-Block Alkali-Mangan parallel
Durchmesser Ballon:  ca. 1 m
Gewicht (ges.):      ca. 490 g
Gas:                 Wasserstoff
Fallschirm:          ca 1,5 m Durchmesser


Aufbau des ARTOB


Ablauf am 16.07.1995:
(MESZ)
13:00 h  Treffen des Teams am Startplatz Nienberge JO32SA
13:20 h  Übermittlung Flugwetterdaten:
         Wind:  14 Knoten, 240° (Boden)
14:01 h  Start des Ballons
14:10 h  Die Peilteams starten in ihre abgesprochenen Korridore

Bis dahin also alles noch planmäßig!

Wie sich herausstellt, fliegt der Ballon mit hoher Geschwindigkeit (der Höhenwind ist etwa doppelt so stark wie der Bodenwind und i.d.R. um 30° gedreht) Richtung Ost/Südost. Er fliegt vermutlich nördlich an Warendorf und südlich an Bielefeld vorbei. Es stellt sich für die Bodenteams als schwierig heraus, ihm auf Land- und Bundesstraßen zu folgen. Um ca. 16:30 h MESZ hat er den unserem Peilkartenteam zugrundeliegenden Bereich verlassen, so daß nur noch allgemeine Ortsangaben durch die Peiler möglich sind. Außerdem ist zu diesem Zeitpunkt Joachim (DL3YBQ), Haupt-Peilkoordinator, gezwungen, aus QRL-Gründen den Heimweg anzutreten. Das ist der Moment, wo uns die ganze Sache ein ganz klein wenig aus dem Ruder läuft... Ferner zeigt das Signal zwischen den CW-Texten weiterhin einen Steigflug an...

Die Peiler jagen also weiter dem Ballon hinterher, da aber fast alle Peilungen immer noch mehr oder weniger Richtung Osten weisen, zeigt sich immer mehr, daß der Ballon viel zu schnell für uns ist. Daher wechseln die meisten auf Autobahnen, um wenigstens etwas von dem Vorsprung aufzuholen (manche Peiler fahren mittlerweile ein ganzes Stück hinterher, außerdem zeigt sich, daß es im östlichen Münsterland alles andere als einfach ist, schnell gen Osten zu fahren...). Die Fahrt des Ballons geht offensichtlich weiter über Detmold, Höxter, schließlich an Göttingen vorbei Richtung Harz. Im Bereich Göttingen sind die meisten Peiler (teils via A44 o. A2 / A7) um etwa 20:00 h MESZ eingetroffen. Die Peilungen weisen weiter gen Osten, d.h. Richtung Harz / Osterode / Herzberg. Ein OM in Osterode teilt uns allerdings mit, daß er das Signal ebenfalls Richtung Osten peilt.

Daher entschließen wir uns um 20:30 h MESZ schweren Herzens, daß eine weitere Verfolgung wohl keinen Sinn hat (zumal immer noch Steigflug gemeldet wird), und geben die Verfolgung des Ballons auf.

Liste der Empfangsberichte


Was war passiert?

Offenbar reichte der Auftrieb des Ballons nicht auf, eine so große Höhe zu erreichen, daß die Hülle hätte platzen können. Vielleicht war von Anfang an nicht soviel Gas im Ballon enthalten, daß er hätte ausreichend hoch fliegen können, vielleicht wurde sein Aufstieg durch den Fallschirm bereits so gebremst, daß er während des Steigens durch die Ballonhülle bereits zuviel Gas diffundierte; auch ist es möglich (da er sich teils auch in einem Gewittergebiet aufhielt), daß in größerer Höhe eine Eisbildung auf der Hülle und sonstigem Equipment stattfand, so daß der Auftrieb nicht ausreichte.

Außerdem war ein interessanter Effekt zu beobachten: die (quarzgesteuerte) Bakenfrequenz stieg relativ schnell um einige (4 - 5) Kilohertz an, später sank sie wieder, und zwar noch unter die Sollfrequenz. Da der Sender sich thermisch gut isoliert in einer Styroporbox befand, kann dies nicht nur auf Temperaturschwankungen zurückzuführen sein - wir vermuten evtl. einen kleinen Wassereinbruch in die Box.

Positiv zu vermerken war insbesondere die rege Anteilnahme anderer OMs, die unsere Rücksprache via der jeweiligen lokalen 70-cm-Relais verfolgten und uns mit Kreuzpeilungen, Wegbeschreibungen (wie komme ich möglichst schnell quer durch Bielefeld?) usw. weiterhalfen. Selbst einige Tage später war unsere Aktion immer noch Gesprächsthema auf den entsprechenden Relais. Für alle, die sich irgendwie beteiligten oder uns einfach nur auf ihrem Repeater längere Zeit erduldeten, schon jetzt vielen Dank!

HAPPY END!

Am Mittwochmorgen erhielt Armin, DF1QE, einen Telefonanruf, daß der Ballon gefunden sei. Gefunden wurde er von einem "Nicht-OM", der sich bereits am Montag auf dem Weg zur Arbeit gewundert hatte, daß dort ein großer Ballon im Straßengraben lag. Als er dort zwei Tage später immer noch lag, wurde er doch neugierig (zum Glück!) und fand unsere "Red Box" mit dem Sender und den Hinweisen für einen evtl. Finder.

Ach, ja: Ort des Fundes war Krina nahe Bitterfeld (ca. JO61DP)... Unsere Vermutungen, daß er nach dem Harz weiter nach Leipzig o.ä. fliegen würde, paßten also rel. genau. Die Ballonhülle war offenbar noch intakt, was die dauernde Anzeige eines Steigfluges erklärt - das Equipment hatte sich also nie gedreht, so daß der Quecksilberschalter keine Änderung anzeigen konnte. Auch kam der Fallschirm so nicht zum Einsatz.

Flugverlauf also verm. die ganze Zeit über Richtung Ost/Südost, überbrückte Entfernung ca. 330 km.

Fazit:

Ganz sicher werden wir nicht mehr einen Start durchführen, wenn die Windgeschwindigkeit so hoch ist (14 kn an sich ist ja nicht so viel - aber das Hinterherfahren auf Straßen, die alle woanders hinführen oder viel zu langsam sind, das macht die Probleme...) Außerdem wird bei jedem zukünftige Flug (auch bei so "kleinen" Starts) der Ballon mit einem Fernsteuerempfänger ausgerüstet, um ggf. eine Ausklinkeinrichtung zu betätigen (sofern - oder auch dann - nicht ohnehin eine Fernsteuerung des Gasablaßventiles erfolgen kann).

Jedenfalls sind wir glücklich, daß der Flug insgesamt doch noch recht positiv verlaufen ist. Insbesondere die bereits oben erwähnte breite Resonanz machte ihn schon zu einem Erfolg. Empfangsberichte während des Fluges bekamen wir sogar aus der Nähe von Bremen und rel. kurz nach dem Start schon aus der Gegend um Hannover.

Alle YLs und OMs, die die Signale unseres ARTOBs aufnehmen konnten, möchten wir bitten, uns eine entsprechende QSL-Karte via DARC zukommen zu lassen, damit wir auch eine kleine Dokumentation unserer Reichweite haben.


Alle, die sich aufgrund dieses Berichtes näher für unsere Aktivitäten interessieren, nehmen wir gerne in unsere Mailing-Liste auf, um sie rechtzeitig vor einem Start (i.d.R. ca 36 h) via E-Mail zu benachrichtigen bzw. um ihnen hinterher einen entsprechenden Bericht zuzuschicken.

Alle Vorschläge, Anregungen usw. sind uns natürlich jederzeit willkommen!

Beste 73, Oliver

[Oliver Welp, DL9QJ / Gustav-Freytag-Str.11 / D-48161 Münster
 Internet: dl9qj@amsat.org  / welp@muenster.de
 PR:       DL9QJ@DBØEA.#NRW.DEU.EU
 Tel./Fax: +49-2533-7312]

Aufbau des Ballon

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Letzte Bearbeitung: 01.06.1997
Verantwortlich: Oliver Welp, DL9QJ - dl9qj@amsat.org