DLØART/am - 3. Flug am 08.10.1995

Zurück zur DLØART/am - Homepage

Bildergalerie mit Photos vom 3. Flug


Der OV Nienberge (N 46) hat am Sonntag, dem 08.10.95, seinen dritten Ballon-Start (DLØART/am) durchgeführt. Diesmal wurden wir von Murphy besonders schwer heimgesucht. Allerdings kam das günstige Flugwetter für uns etwas zu früh, denn das geplante Equipment (Bake, Notbake, Transponder) war eigentlich noch nicht fertig. So wurden am Tag vorher noch schnell einige Antennen gebaut, abgeglichen, Styroporboxen mit div. technischen Gerätschaften "befüllt" usw. Bis Sonntag, 02:00 h MEZ, glaubten wir noch, daß diesmal der 70 cm/2 m-Transponder mitfliegen würde. Dann wurde uns jedoch eindrucksvoll die Bedeutung des Wortes "Intermodulation" vor Augen geführt. Bei gleichzeitigem Senden der Telemetriebake und Betrieb über den Transponder waren die nicht erwünschten Signale kaum schächer als die Nutzsignale... Offenbar war besonders der Telemetriesender der "Schuldige". Auch diverse versuchte Auswege brachten auf die schnelle nicht den gewünschten Erfolg, so daß Armin, DF1QE, und Oliver, DL9QJ, gegen 05:30 h MEZ schließlich aufgaben und das Equipment für einen weiteren Nur-Baken-Flug klarmachten.

Jedoch gab es trotzdem einen Fortschritt gegenüber den ersten Flügen: eine Absprengvorrichtung sollte dafür sorgen, daß bei einem Versagen des Gasventils der Ballon abgetrennt werden könnte und das Equipment am Fallschirm zu Boden segelt. Wie sich während des Fluges zeigt, hätten wir wohl eher das Gegenteil benötigt...

(Berichte über die ersten beiden Starts sind übrigens in der CQ DL 9/95 nachzulesen)


3. ARTOB-Flug DLØART/am am 08.10.1995


Datum:           Sonntag, 08.10.1995
Startzeit:       13:11 h MEZ
Startort:        Münster-Nienberge JO32SA 
                 (Parkplatz vor dem Freibad)

Daten Ballon:
Rufzeichen:      DLØART/am
QRGs/Modulation: (1) Telemetriebake: 145,200 MHz  (F2D und F2A)
                     (Rufzeichen in CW, dazwischen Tonsignale
                     für Höhe, Außen-/Innentemperatur,
                     Batteriespannung)
                 (2) Notbake:        144,987 MHz  (F1A)
                       (mit Infotext in CW)
                 (3) Transponder: 
                       wegen techn. Probleme gestrichen
                 (4) Telemetrieempfänger:
                       auf 70 cm und 10 m (Reserve)
Leistungen:      (1) 2 W
                 (2) 100 mW 
                 (3) ---
Antennen:        (1) Groundplane
                 (2) Kreuzdipol
                 (3) Big Wheel für 2 m flog mit, da bereits
                      als Spreizer der Fallschirmleinen
                      integriert
                 (4) 70 cm: Groundplane  /  10 m: lambda/4 
Stromversorgung: 5 (Mono-)Zellen LiSO2 zu je 3 V / 6 Ah
                 (2) 1 Zelle LiSO2 + step-up auf 9 V

Durchm. Ballon:  ca. 2,8 m
Startgewicht:    Ballonhülle:   1320 g \
                                        > gesamt 4005 g
                 Equipment:     2785 g /
Auftrieb beim 
Start:           300 g
Fallschirm:      ca. 2 m Durchmesser
Gas:             Wasserstoff

Die Gasfüllung kann mittels Fernsteuerung eines Gasventils am 
oberen Ende des Ballons abgelassen werden.

Aufbau des ARTOB

Rücksprache der Peilteams via 70-cm-Relais Münster (DBØPD; R 84).

Ablauf (MEZ):
11:30     Treffen bei Armin, DF1QE
12:20     Eintreffen am Startplatz 
          (Parkplatz Freibad Münster-Nienberge, JO32SA)
12:30     Befüllen des Ballons
12:55     Telefonische Benachrichtigung der DFS
13:00     Telefonische Nenachrichtigung des Flughafens Münster-
          Osnabrücks. Es ist zu befürchten, daß wir in die
          Kontrollzone des Flughafens geraten. Für diesen Fall
          erhalten wir eine Überfluggenehmigung in einer Höhe 
          von mind. 10.000 ft
13:05     Letzter Test des Gasventils
13:11     START (Bild des gestarteten Ballons - 130 kB)
          Der Ballon steigt zügig und driftet in Richtung NN0 (35)
13:22     Höhe 1490 m, Steiggeschwindigkeit 156 m/min.
13:28     Höhe 2500 m, erstes Öffnen des Gasventils (1 min.)
          Steiggeschwindigikeit danach 70 m/min.
13:30     zweites Öffnen des Gasventils (1 min.)
          Steiggeschwindigikeit danach 60 m/min.
13:35     drittes Öffnen des Gasventils; bei dem Versuch des
          Schließens klemmt der Motor offensichtlich, und das
          Ventil läßt sich nicht mehr schließen. Dadurch 
          wird der Sinkflug eingeleitet.
13:38     Größte Höhe: 3317 m
13:54     Höhe 2039 m, Sinkgeschwindigkeit 100 m/min.
14:10     Ballon ist offenbar gelandet. Peilteams, die sich
          nicht in unmittelbarer Nähe der Landestelle
          befinden, verlieren den Kontakt zur Ballon-Bake
14:40     Der Ballon wird von Oliver, DL9QJ, und Ludger, DL3YBO
          gefunden. Er hängt in einem Weidezaun an einem Weg
          im Kattenvenner Moor (JO32WC), 14 km W von Greven

Flugdauer:    1 h
Flugstrecke:  21 km


Min.-/Max.-Daten während des Fluges
MinimumMaximum
Höhe80 m3317 m
Außentemperatur3,1 C24,7 C
Innentemperatur26,9 C31,5 C
Batteriespannung14,29 V14,35 V

Liste der bislang erhaltenen Empfangsberichte


Positiv war besonders, daß man quasi direkt am gelandeten Ballon parken konnte...

Der Zustand der Antennen erklärt den Verlust des Signals durch einige Peilteams - diese munter verbogene Metallstäbe erinnern kaum noch an Antennen, insbesondere den Kreuzdipol der Notbake hat es ziemlich erwischt. Die Kühe auf der Weide interessierten sich ausgesprochen für dieses merkwürdige Gefährt, so hatten wir sie auch anfänglich in Verdacht hatten, unsere Benachrichtigungs-Aufkleber auf der RX-Box aufgefressen zu haben. Wie sich später herausstellte, wurden sie von Spaziergängern mitgenommen, die sich später telefonisch meldeten.

Ein Bericht über den Flug ist in den Westfälische Nachrichten vom 13.10.1995 erschienen.

Ergebnisse:

Uns ärgerte natürlich besonders, daß auch dieser Flug wieder zu kurz geriet, weil das Gasventil sich (wie beim ersten Flug) nicht mehr schließen ließ. Offensichtlich war der Fehler aber ein anderer - es war wohl mechanisch irgendwie blockiert, denn der Motor sprach auf Steuerkommandos noch an.

Die 2-m-Big Wheel hat sich als Leinenspreizer des Fallschirms nicht bewährt: während der Vorbeitung gab es intensiven "Leinensalat"!

Diesmal ohne Computerunterstützung hatte das Peil-Koordinierungs-Team Schwierigkeiten, die Position des Ballons schnell genug zu ermitteln und den Teams Fahranweisungen zu geben. Ferner wurde festgestellt, daß die Peilung zwischen den 20-minütigen "Pflichtpeilungen" (Pflicht = xx.00 h, xx.20 h, xx.40 h) nur vereinzelt durchgeführt wurden. Mit wenigen Peilergebnissen zu diesen Zeitpunkten war deren Nutzen auch gering; auch beeinträchtigen Peilungen in 10-Minuten-Abständen die Peilteams sehr am Vorwärtskommen. Bei den nächsten Flügen wird wohl ein System von Pflichtpeilungen im Abstand von 15 Min. eingeführt.

Das Problem der Intermodulation zwischen den verschiedenen 2-m-Sendern war in dieser Stärke ein arger Rückschlag. Über Abhilfe ist jedoch bereits nachgedacht worden.

Empfangsberichte über den Empfang der Baken sind sehr willkommen; entweder per Mail an DL9QJ (PR oder Internet, Adressen s. u.) oder als QSL-Karte via DARC (DLØART ist der QSL-Vermittlung bekannt). Natürlich wird jeder Bericht mit einer QSL-Karte; beantwortet.

Auch für andere Rückmeldungen, Anregungen, Vorschläge sind wir jederzeit dankbar!

Beste 73, Oliver

[Oliver Welp, DL9QJ / Gustav-Freytag-Str.11 / D-48161 Münster
 Internet: dl9qj@amsat.org
 PR:       DL9QJ@DBØEA.#NRW.DEU.EU
 Tel./Fax: +49-2533-7312]


Zur Bildergalerie mit Photos vom 3. Flug

Aufbau des ARTOB

Zurück zur DLØART/am - Homepage


Letzte Bearbeitung: 17.09.1997
Verantwortlich: Oliver Welp, DL9QJ - dl9qj@amsat.org