DLØART/am
4. Flug am 14.01.1996

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Der OV Nienberge (N 46) hat am Sonntag, dem 14.01.96, seinen vierten Ballon-Start (DLØART/am) durchgeführt.

Herausragendes Merkmal dieses Fluges war sicherlich der 70-cm/2-m-Crossband-Repeater, der auch rege genutzt wurde. Auch ansonsten verlief der Flug ab dem Start optimal - dafür gab es im Vorfeld um so mehr Probleme. Eines davon war unvermeidlicherweise das Wetter, das uns am zunächst vorgesehenen Starttermin (01.01.) wie auch am Ausweichtermin (07.01.) einen Strich durch die Rechnung machte. Ferner tauchte das Problem auf, daß wir (nachdem dann der Flug für den 14.01. beschlossen war, das Wetter mitspielte und bereits alle Startankündigungen via PR, Internet und Fax auf den Weg gebracht worden waren) von der DFS Düsseldorf keine Startfreigabe erhielten, da wir aufgrund der noch unbestimmten Windverhältnisse möglicherweise in die Kontrollzone C des Flughafens Münster-Osnabrück eindringen würden. Nach vielen Telefonaten mit dem Flughafen und der DFS Düsseldorf bzw. Bremen erhielten wir am Samstagabend eine Freigabe für den Fall, daß wir einen Platz 5 mi nördlich vom Flughafen Münster-Osnabrück als Startort wählten.

Von weiteren kleineren Problemen ließen wir uns natürlich nicht erschüttern - das ist bei einem ARTOB-Flug nahezu unvermeidlich. Daß auch der Crossband-Repeater zunächst erhebliche Intermodulation erzeugte, war schon frustrierend... und auch der Einsatz von Zirkulatoren brachte nicht (obwohl äußerst schwer...) die erhoffte Abhilfe. Die kam dann durch das Einlöten des Telemetriesenders in ein Weißblechgehäuse.

Dann versagte am Sonntag um etwa 11:00 h noch die Zündung des Autos von DL9QJ, obwohl es 15 min. vorher noch fehlerfrei funktionierte... nun ja, dann wurde eben die gesamte Peilausrüstung usw. noch schnell in das Fahrzeug von DL3YBO umgeladen. Später stellte sich heraus, daß das Zündschloß defekt war.

Über die rege Beteiligung am QSO-Betrieb über den Repeater und alle Glückwünsche und Empfangsmeldungen haben wir uns natürlich sehr gefreut. Empfangsberichte über den Empfang der Baken oder des Repeaters sind sehr willkommen; entweder per Mail an DL9QJ (PR oder Internet, Adressen s. u.) oder als QSL-Karte via DARC (DLØART ist der QSL-Vermittlung bekannt). Natürlich wird jeder Bericht mit einer QSL-Karte beantwortet.


4. ARTOB-Flug DLØART/am am 14.01.1996 (OV Nienberge, N46):

Datum:          Sonntag, 14.01.1996
Startzeit:      13:31 h MEZ 
Startort:       8 km nördlich des Flughafens Münster-Osnabrück (JO32UF)

Daten Ballon:
Rufzeichen:       DLØART/am
QRGs/Modulation: (1)  Telemetriebake: 145,200 MHz  (F2D und F2A)
                      (Rufzeichen in CW, dazwischen Tonsignale für Höhe, 
                       Außen-/ Innentemperatur, Batteriespannung)
                 (2)  Notbake:    144,987 MHz  (F1A)
                      (mit Infotext in CW)
                 (3)  Crossband-Relais (F3E):
                      Uplink:     432,575 MHz
                      Downlink:   144,475 MHz
                 (4)  Telemetrieempfänger:
                      auf 70 cm und 10 m (Reserve)

Leistungen:      (1)  2,5 W
                 (2)  100 mW 
                 (3)  2,5 W

Antennen:        (1)  Groundplane
                 (2)  Kreuzdipol
                 (3)  jeweils Big Wheel für 2 m und 70 cm
                 (4)  70 cm: Groundplane  /  10 m: lambda/4 Draht

Stromversorgung: (1), (3) + (4)  5 (Mono-)Zellen LiSO2 zu je 3 V / 6 Ah
                 (2)  1 Zelle LiSO2 + step-up auf 9 V
Stromaufnahme:   insgesamt 1200 mA

Durchm. Ballon:       ca. 2,8 m
Startgewicht:         gesamt 4550 g
Auftrieb beim Start:  300 g
Fallschirm:           ca. 2 m Durchmesser
Gas:                  Wasserstoff

Die Gasfüllung kann mittels Fernsteuerung eines Gasventils am 
oberen Ende des Ballons abgelassen werden.

Aufbau des ARTOB

Rücksprache der Peilteams via 70-cm-Relais Osnabrück (DBØCO; R 75).

Ablauf (MEZ):
11:00   Treffen bei Armin, DF1QE.
12:20   Eintreffen am Startplatz. Der Startplatz befindet sich an der B 219 
        zwischen Saerbeck und Ibbenbüren ca. 2 km vor Dörenthe; diese 
        Stelle ist 8 km nördlich des Flughafens Münster-Osnabrücks (FMO) 
        und gleichzeitig dessen Pflichtmeldepunkt "N"; Locator ist JO32UF.
12:35   Telefonische Benachrichtigung von FMO; Starterlaubnis erteilt.
12:40   Telefonische Benachrichtigung der DFS Bremen; Starterlaubnis 
        erteilt.
12:58   Test von Baken, Repeater, Telemetrie und Gasventil: o. k.
13:10   Befüllen des Ballons.
13:20   zweimaliges Nachfüllen von Gas, da Auftrieb ungenügend.
13:24   Telefonische Benachrichtigung des Towers FMO; Startankündigung 
        für 13:30 h.
13:31   START. Der Ballon steigt zügig und driftet in Richtung WNW.
13:36   Höhe 588 m
13:39   Höhe 1029 m
13:41   Höhe 1437 m; Steiggeschwindigkeit 148 m/min.
13:47   Öffnen des Gasventils (30 s); Steiggeschwindigkeit danach
        120 m/min.
13:51   Höhe 2665 m; Öffnen des Gasventils (30 s);
        Steiggeschwindigkeit danach 78 m/min.
13:52   Öffnen des Gasventils (82 s).
13:55   Höhe 2885 m; Steiggeschwindigkeit 50 m/min.
13:56   Öffnen des Gasventils (30 s).
13:57   Höhe 3019 m; Steiggeschwindigkeit 32 m/min.
13:58   Öffnen des Gasventils (30 s).
14:00   Höhe 3061 m; Steiggeschwindigkeit 6 m/min.
14:01   Öffnen des Gasventils (30 s).
14:02   Höhe 3073 m; Sinkgeschwindigkeit 6 m/min.
14:16   Öffnen des Gasventils (30 s); Höhe 3119 m; 
        Sinkgeschwindigkeit 30 m/min.
15:11   Öffnen des Gasventils (60 s).
15:14   Öffnen des Gasventils (90 s).
15:30   Ballon ist offenbar gelandet.
16:13   Der Ballon wird von Dirk (DD1QN) gefunden. Landeort ist 1 km 
        südöstlich von Getelo an der Landstraße nach Lage (ca. JO32KM) / 
        500 m nördlich der niederländischen Grenze / 10 km westlich von 
        Nordhorn. Er befindet sich im oberen Teil des Geästs eines rund 
        20 m großen Baumes...
16:23   Benachrichtigung der DFS Bremen über die Landung.
16:30   Beginn der Bergung des Equipment aus dem Baum.
17:00   Abfahrt aus Getelo.

Flugdauer:   2 h
Flugstrecke: 75 km

Min.-/Max.-Daten während des Fluges
MinimumMaximumStartLandung
Höhe22 m3104 m51 m22 m
Außentemperatur-6,4 C8,5 C3,5 C7,1 C
Innentemperatur9,6 C15,9 C11,7 C15,5 C
Batteriespannung13,84 V14,24 V14,17 V14,19 V

Graphische Darstellung von Höhe, Außen-/Innentemperatur und Batteriespannung im Verlauf des Fluges.

Liste der bisherigen Empfangsberichte

Liste der Stationen, die über den Crossband-Repeater gearbeitet haben


Ergebnisse:

Die oben geschilderten Probleme mit der DFS hätten fast noch zum Abbruch des Unternehmens geführt. Beim nächsten Mal werden wir durch eine geeignete Wahl des Startortes natürlich versuchen, solche Probleme zu umgehen. Der zunächst vorgesehene Startort (Parkplatz des Freibades Nienberge - wie beim 3. Start) hatte allerdings einige Vorteile: Eine große und wenig frequentierte befestigte Fläche, die ringsum noch durch einige niedrige Bäume und Hecken ziemlich gut windgeschützt ist, ist natürlich für einen solchen Start ideal. Auch muß das gesamte Equipment (einschließlich Gasflasche) nur wenige hundert Meter transportiert werden. - Ferner hatten wir beim letzten Start bei ähnlichen Windverhältnissen eine Überfluggenehmigung von FMO bekommen... und diesmal hätte uns (nach den Vorhersagen) der Wind noch nicht einmal so nahe an FMO herangebracht (und wir wären noch nicht einmal in die Nähe gekommen, legt man die tatsächlichen Windverhältnisse zugrunde). Und ob der Vorschlag der DFS Düsseldorf, quasi genau an einem Pflichtmeldepunkt von FMO zu starten, wirklich das Ei des Columbus war, bleibt zumindest offen: die über unserem Startplatz in wenigen hundert Metern Höhe kreisenden Düsenjets riefen schon etwas Heiterkeit über die Empfehlung der DFS hervor.

Wie oben beschrieben, waren wir gezwungen, zweimal noch weiteres Gas in den Ballon zu füllen. Die Ursache lag darin, daß wir darüber hinweg gekommen waren, das gesamte Equipment zu wiegen und das wegen der sehr knappen Zeit (schließlich sind wir am Ende 30 min. später als geplant gestartet) nicht mehr nachholen wollten. Daher mußte der nötige Auftrieb geschätzt werden, wobei wir natürlich prompt daneben lagen (Danke, Herr Murphy). Das sollte uns natürlich auch nicht wieder passieren, zumal auch das Nachfüllen zumindest etwas Zeit gekostet hat.

Nachdem uns bei den letzten Flügen sowie während der Planungen die Position des Fallschirmes einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, scheinen wir jetzt die Lösung gefunden zu haben. Der Fußpunkt des Fallschirms wird direkt unterhalb der Absprengvorrichtung angebracht, die sich unmittelbar unterhalb der Ballonhülle befindet. Die eigentliche Fallschirmhülle wird mit einem dünnen Faden (mit Sollbruchstelle) oben am Ballon am Ventil befestigt, so daß sich der Fallschirm neben dem Ballon befindet. Damit sind alle "Verhedderungsmöglichkeiten" nahezu ausgeschlossen. Die Steuerleitung des Gasventils beinhaltet weiterhin einen 3,5-mm-Klinkenstecker als Sollbruchstelle, der jetzt allerdings gut zugentlastet ist. Zum Glück mußten wir die Absprengvorrichtung bislang noch nicht aktivieren, denn damit wäre unweigerlich das Gasventil verloren.

Als Gasventil wird weiterhin das bisher verwendete genutzt. Allerdings wurde es in eine ausgehöhlte Spraydose eingesetzt. Diese befindet sich nun in einer oben am Ballon befindlich Öffnung; die Steuerleitung wird durch die Ballonhülle zum Füllstutzen des Ballons geführt, wo sie dann aus der Ballonhülle herausgeführt wird. Wir betreiben also (im Gegensatz zu den bisherigen Flügen) den Ballon wieder "normalherum".

Der Ballon wurde zum Glück ohne Schaden geborgen. Dank Armins (DF1QE) Kletterkünste war es möglich, ihn aus dem Baum, auf dem er gelandet war, heil herauszubekommen. Die Ballonhülle war (offensichtlich bei der Landung) durch die Äste aufgerissen worden. Doch auch das Gasventil hatte die Aktion schadlos überstanden. Nur der Fallschirm mußte aufgegeben werden, da er sich genau an der Spitze des Baum befand (und vermutlich immer noch befindet...) und daher unzugänglich war. Zum Glück ist er allerdings leicht ersetzbar.

Die Peilteams haben sich wiederum bewährt, auch wenn das Auffinden des Ballons diesmal etwas länger als sonst dauerte, was aber weiter nichts machte, da wir ihn noch deutlich vor Beginn der Dämmerung auffanden (und schließlich sorgen die Peilteams durch das Auffinden des Ballons dafür, daß der einzelne Start uns nur die Gasfüllung kostet und nicht auch das Equipment... das macht die Sache natürlich preiswerter). Problematisch für die Koordinierung der Teams war aber, daß wir durch die Verlegung des Startplatzes aus dem Bereich herauskamen, für den wir ein adäquates Koordinatensystem entwickelt haben. So mußten wir unsere Peil-Standorte durch allgemeine Ortsangaben kennzeichnen. Dennoch funktionierte die Koordinierung recht brauchbar - auch die Rückmeldung der vermutlichen Position des Ballons an die Peilteams. Die Landestelle ergab sich so, daß sie gerade noch im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland lag (obwohl wahrscheinlich kurz vor der Landung ein Stückchen der Niederlande überflogen worden ist) - und damit auch unsere Haftpflichtversicherung gültig war, die nämlich nicht für das Ausland gilt. Zum Glück mußten wir sie bislang noch nie in Anspruch nehmen.

Beim Vorhersagen des Flugwetters haben wir inzwischen einige Übung entwickelt, und zumeist waren unsere Prognosen korrekt (wenn auch manchmal von etwas Zweckoptimismus geleitet - aber schließlich kann man lieber einmal eine Ankündigung machen, die dann später zurückgenommen werden muß, als - gerade im Winter eher seltenes - Flugwetter ungenutzt verstreichen zu lassen). Sehr zu empfehlen sind die im Internet verfügbaren Satellitenbilder von Meteo France, die uns bisher eine große Hilfe waren (zu finden z. B. via Homepage des Deutschen Klima-Rechenzentrums, URL http://www.dkrz.de/).

Der Crossband-Repeater war sicher eine große Bereicherung für unseren Ballon. Für uns war es natürlich besonders interessant, quasi online zu erfahren, wie groß die Reichweite des Ballons war. Für einen echten QSO-Betrieb ist er eher weniger geeignet, eine Leitung war dringend erforderlich (zumal die Funkdisziplin manchmal eher durchschnittlich war...). Vielleicht sollten wir diese jedoch beim nächsten Mal von einer ortsfesten Station aus durchführen, denn ein geordneter QSO-Betrieb als Mobilteam erwies sich für DL9QJ und DL3YBO als manchmal etwas schwierig, zumal quasi "nebenbei" noch dem Ballon hinterhergefahren, Peilungen aufgenommen, diese via DBØCO an den Peilkoordinator DL3YBQ weitergegeben, die QSOs mitgeschrieben und für die Navigation des Teams gesorgt werden mußte. Das erwies sich doch als ein wenig viel für ein Zwei-Mann-Team (obwohl beide durchaus "multitasking-fähig"), zumal dann noch die Technik (Wackelkontakt in der Mikrofonleitung) manchmal Streiche spielte. Auch hat man als Mobilteam nicht durchgehend die nötige Signalstärke, wie sich bei der Auswertung des Mitschnitts der Repeater-Ausgabe herausstellte.

Empfangsberichte über den Empfang der Baken sind (wie bereits oben erwähnt) sehr willkommen; entweder per Mail an DL9QJ (PR oder Internet, Adressen s.u.) oder als QSL-Karte via DARC (DLØART ist der QSL-Vermittlung bekannt). Natürlich wird jeder Bericht mit einer QSL-Karte beantwortet.

Alle Nutzer des Crossband-Relais sollten ebenfalls einen Empfangsbericht einsenden - auch dafür erfolgt natürlich eine Bestätigung mit der DLØART/am-QSL-Karte. Für die mit DL9QJ/m getätigten QSOs werden dessen QSL-Karten verschickt - auch dieser freut sich über entsprechende Antwort.

Ebenso sind wir für andere Rückmeldungen, Anregungen, Vorschläge jederzeit dankbar!

Beste 73, Oliver

[Oliver Welp, DL9QJ / Gustav-Freytag-Str.11 / D-48161 Münster
 Internet: dl9qj@amsat.org 
 PR:       DL9QJ@DBØEA.#NRW.DEU.EU
 Tel./Fax: +49-2533-7312]


Aufbau des ARTOB

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Letzte Bearbeitung: 01.06.1997
Verantwortlich: © Oliver Welp, DL9QJ - dl9qj@amsat.org